09 Das politische Mandat der Jugendarbeit – Aufbruch und Entgrenzung zugunsten der eigenen Profession und Disziplin

Veranstaltungsinformationen:

  • Datum und Uhrzeit: 19.10.2018, 14:30 Uhr bis 16:00 Uhr
  • Stream: Hauptveranstaltungen
  • Referent_in: Jennifer Hübner

Beschreibung:

Dass Jugendarbeit über ein politisches Mandat verfügt, ist im Theoriediskurs unumstritten und auch unter den praktizierenden Fachkräften allgemein bekannt. Der Gesetzgeber erteilt der Jugendarbeit einen exponierten Auftrag, welcher mit der anvisierten "Demokratiebildung von Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden" ein deutliches Alleinstellungsmerkmal birgt. Jugendarbeit bedeutet Kinder- und Jugendbildung. Jugendarbeiter*innen sind die Jonglier-Expertise der deutschen Kinder- und Jugendhilfe: In kaum einem anderen Handlungsfeld wird so sehr interdisziplinär, komplementär, binnendifferenziert und ebenenübergreifend gearbeitet wie in der Jugendarbeit: fallspezifisch und fallunspezifisch, (ziel)gruppenfokussiert und offen, sozialraum- und lebensweltorientiert, sozialintegrativ und emanzipatorisch, vor allem aber demokratiebildend und partizipativ. Aus Sicht der Jugendlichen und Kinder muss sie vor allem eines sein: „irgendwie“ „attraktiv“. Immerhin sind sie es ja, die „erreicht“ werden sollen, auch um die große Gesellschaft in klein mehr als nur zu erproben. Jugendarbeit ist der Raum, wo Chillen als Jugendsubskultur anerkannt ist; andernfalls in einem freiwilligen Setting zwischen Jugendgerichtshilfe, Schulabschluss, Teenagerschwangerschaft und anderen Momenten im Aufwachsen junger Menschen informell und non-formal taktiert werden muss. Die Fachkraft ist Freundin, Schwester, Lehrerin, Mutter und Sozialarbeiterin zugleich. Und ja, sie hat einen eigenständigen und demokratiebildnerischen Auftrag.

Dem gegenüber stehen die zurückgehenden Investitionen (siehe: aktuelle Stellungnahme des Bundesjugendkuratoriums) und die deutlichen Entkommunalisierungs(tenzdenzen) von Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen insgesamt (siehe sich veränderndes Verhältnis öffentlicher und freier Träger am Beispiel Berlin). Ringt Jugendarbeit nicht nur in der eigenen Profession (Wissenschaft, Lehre und Co.) und Disziplin (Operation, freie Träger, Verwaltung und Steuerung) um ein gemeinsames Verständnis und Strukturmaxime in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen (vgl. Cloos et. al., 2006); muss sie (vor allem Träger und operative Kolleg*innen) im jugendpolitischen Diskurs zeitgleich Antworten auf etwaige Fragen geben: „Was geschieht eigentlich in den Kinder- und Jugendclubs? Und das soll Bildung sein? Was machen die da eigentlich?“ Jugendverbände, aber auch klassische Träger der Jugendarbeit geraten in Finanzierungsnot und müssen oft auf andere Bereiche der Kinder- und Jugendhilfe (Hilfen zur Erziehung/ Elementarpädagogik) zurückgreifen, um sich Kinder- und Jugendarbeit überhaupt leisten zu können. Temporäre Förderkulissen zählen zum alltäglichen Handwerk.

Der Workshop „Das politische Mandat der Jugendarbeit“ möchte an die aufgeworfene Diskussion anknüpfen und Fachkräften die Gelegenheit geben, den politischen Auftrag von Jugendarbeit für den eigenen Wirkungskreis zu definieren, ggf. gemeinsam mit anderen Kolleg*innen zu entwickeln und sich an den Anfang der eigenen Einsatzzeit im Feld zu erinnern: Warum bin ich Jugendarbeiterin? Was hat sich im Verlauf meiner beruflichen Erfahrung verändert? Und was hat das eigentlich mit Politik und Demokratie zu tun? Wie kann einem politischen Mandat in all ihren Verästelungen unter den aktuellen Rahmenbedingungen gemeinsam mit Jugendlichen und Kindern entsprochen werden und muss es das überhaupt?  Der Workshop soll Impulse setzen, (wieder) über die eigene Einrichtung/ das eigene Format und den eigenen Sozialraum hinausblicken und wirken zu lernen –  mit und für der/ die Zielgruppe, aber auch für die Haltung der Sozialarbeiter*innen und damit die Profession und Disziplin selbst: Sich einmischen, unkonventionelle Lösungen in Zeiten schwieriger Herausforderungen generieren, Grenzen aufbrechen und unbequem sein – welches Handlungsfeld der Sozialen Arbeit, wenn nicht die Jugendarbeit, kann genau das? Voraussetzung dafür ist eine starke und pointierte Haltung, welche eine fachliche Auseinandersetzung mit dem Spannungsgefüge und die Reflexion der eigenen Weltanschauung voraussetzt.

Veranstalter

Deutscher Berufsverband für Soziale Arbeit e.V.
Förderverein für "Soziale Arbeit" e.V.

Gefördert von

Anmeldung